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Monatsarchiv für September 2007

Von schlechtem Essen und unleidigen Köchen

Mittwoch, den 19. September 2007

Es war August, als ich für vier Wochen nach Spanien verschwand. Mein hübsches geordnetes Leben wollte ich hinter mir lassen um für vier Wochen am Touristenzirkus an der Costa Brava teilzunehmen. Gegen einige Stunden als Katamaran-Guide am Tag sollte ich kostenlose Unterkunft und Verpflegung erhalten.

An die Unterkunft hatte ich wenig Ansprüche. Der kleine Wohnwagen war schon Luxus, so fand ich. Aber ich träumte von abendlichen Paella-Gelagen mit viel Fisch, viel Meeresfrüchten und viel Sangria. Die spanische Küche sagte mir ungemein zu und ich plante vier Wochen kulinarisch spanisch zu leben.

Diese Pläne hatte ich, bis ich Hans kennenlernte. Hans war unser Koch und sah so aus wie er hieß. Hans wurde bald zu meinem ultimativen Alptraum. Nicht nur das er dick war und zu jeder Tageszeit unglaublich zu schwitzen schien, nein er trug auch ein Gebiss das jeden morgen beim Frühstück melodisch beim Kauen seiner Brötchen im Takt klapperte. Wenn das nicht schon gereicht hätte um mir meinen Appetit ganz und gar zu verderben, so verließ er mich völlig als ich die Küche einmal näher betrachtete. Die Lebensmittel standen in kaputten Kühlschränken, die munter vor sich hin schimmelten. Die Tomaten schauten dich freundlich an und baten darum nicht gegessen zu werden, bevor sie in den Salat geschnitten wurden und auf den alten Brotscheiben versuchte Hans wohl Penicillin zu züchten, bevor er sie an die Pferde verfüttern wollte. Seit dem Tag als ich ein paar vorsichtige Worte des Missfallens ob der Lebensmittelsituation an Hans richtete, zog er mich mit den Worten auf, dass ich wohl eine Ökotante wäre. All die anderen Dinge traute ich mich nicht mal anzusprechen.

Aber das war nicht mal das schlimmste. Hans kochte deutsch. Urdeutsch. Hans lehnte Olivenöl ab. Hans lehnte Kräuter ab. Hans lehnte frische Lebensmittel ab. Hans würzte nur mit Salz und Pfeffer (denn wie er gelesen hatte, würzen die großen Sterneköche mit nichts anderem). Hans kochte nur Nudeln, Kartoffeln und Reis. In der Reihenfolge. Jeden Tag. Vier Wochen lang.

Ich hätte weinen können. Mir blieb nichts anderes übrig. Ich hatte kein Auto um abends noch in die Stadt zu kommen. Die Küche konnte ich nicht benutzen. Ich aß vier Wochen lang nur Nudeln, Kartoffeln und Reis. In der Reihenfolge. Jeden Tag.

Wenigstens einen Tag konnte ich Steph, unseren Surflehrer – seines Zeichens auch Koch und seines Zeichens auch leidend unter der Essenssituation, dazu bringen eine Gemüsesuppe zu kochen. Das war das einzige Mal in den Vier Wochen, das ich frisches Gemüse aß. (Abgesehen vom täglichen Salat, der nicht nur total wässrig und ungenießbar war, sondern auch nette kleine Überraschungen in Form von Fliegen, Maden und andere Fleischeinlagen in sich barg)

Ich mußte erst wieder zurück nach Deutschland fliegen, um dort in einem kleinen lauschigen Restaurant in der malerischen Altstadt eine gegrillte Dorade  mit Knobi-Spinat und Zucchini zu bekommen. Die Frage des Kellners, ob ich Bratkartoffeln oder Spaghetti dazu haben möchte verneinte ich eilig.

Suppe für’s Gemüt

Mittwoch, den 19. September 2007

Weiße Rübensuppe

Rundfleich schlage, stampfe, klopfe,
Brüh es ab im ird’nen Topfe,
Spargelschnitzel, Portulacke
Nimm aus sauber’m Sommersacke,
Morcheln, eine ganze Sippe,
Ziehe von der Fensterstrippe,
Petersilie, Kohl vom Wirsich,
Sellerie (den “Bowlenpfirsich”),
Gelbe Möhren, große, runde,
Lass sie kochen eine Stunde,
Lass sie kochen, bis die Trübe
Klar sich schäumt, dann Rübe, Rübe,
Weiße Rübe schnell hinein,
Und so wird’s gelungen sein.

Theodor Fontane