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Kann nicht kochen, lebe trotzdem. (2)

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Tränen. Eigentlich bin ich nicht der “nah-ans-Wasser-gebaut-Typ”. Im Gegenteil: Als Mitglied der Generation “Kalter Krieg” wurde ich noch im Handgranaten werfen und mit der Panzerfaust ausgebildet. Zweck der Übung: “Den Russen” abzuwehren. Und so ein kleiner “Heimatlandverteidiger” der hat nun mal nicht so fix zu weinen. Abgesehen von der persönlichen Disposition. Also: Tränen. Ich war essen. In Spanien. In Valencia. In der grössten Markthalle Europas. Sagen die Valencianos. Habe noch nicht alle europäischen Indoormärkte gesehen. Aber dieser hier ist wirklich supergross. Viele tausend Quadratmeter. Wer gerne einkauft, kocht, ist im “Mercado Central” (gebaut in den 1920ern) im Paradies. Denn hier gibt´s an fast 1000 (!) Ständen ALLES – frisch. Kaninchenköpfe mit Augen, 500gr frische Erdbeeren für 1,40 Euro, Sepia so weiss wie Schnee und Schinken (Iberico) von der schwarzen Sau! Die Tränen kommen mir bei einer Tapas-Portion Calamares. So frisch!!! Manolo, Ana und Pablo sind die Patrones in der “Cafe Bar Mercado Central” dem einzigen Laden in der Markthalle, der hier etwas zu essen anbieten darf. Die drei bereiten, bedienen und sprechen so schnell, dass mir schwindlig wird. Stakkato. Der Laden brummt. Geldscheine und Münzen fliegen über den Tresen. Ein richtiges Gespräch mit den “Chefs” kann sich so natürlich nicht entwickeln. Mein knallorangenes T-shirt bringt den entscheidenden “Hingucker-Vorteil”. Nach ein paar Minuten kann ich meinen Tapas-Wunsch bei Manolo rüberbringen. Es dauert keine 20 Sekunden, da steht der kleine Teller schon vor mir…vollbeladen. Andächtiges Staunen. Sieht das gut aus! Erster Bissen. Gewissheit: hier bin ich richtig. Ich vergesse den hektischen Trubel um mich herum. Meine Sinne sind fokussiert auf diesen kleinen, schlichtweissen Teller, der vor mir steht. Die Mittelmeer-Calamares sind so frisch, vergehen derart zart auf der Zunge, dass einem Fisch- und Meeresfrüchte-Gerne-Esser wie mir das Wasser in die Augen schiesst. Die kleinen Ringe sind zart frittiert, dazu etwas Zitrone, Brot und einen leichten, kühlen Weißen aus Navarra. Sonnenlicht dringt durch das Dach mit seinen metallenen Arabesken. Den Frisches-Obst-Gemüse-Fleisch-Gewürze-Fisch-Markthallen-Duft in der Nase – Genuss pur! Paradies! Alter, was willst Du mehr? Wieder hat eine gute Seele etwas zu essen für mich – .3,50 Euro die Portion. Morgen gehe ich wieder in den “Mercado Central” auf der Suche nach dem nächsten Dreiklang: erleben, geniessen, weinen.

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