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Ronni Droplet: Kochen, schmecken, riechen (1)

Portrait Ronni Droplet

Eines will ich gleich zu Beginn klarstellen. Wir Holländer spielen nicht nur den weltbesten Fußball, oouh nein, wir gehören auch zu der Spezies Mensch, die einen Riecher für gute Küche, guten Wein UND vor allem das (über)Leben haben. Völlig klar. Also: Der sichtbare Beweis steht mir, Ronni Droplet mitten ins Gesicht geschrieben. Das, was man da sieht ist nicht nur einfach eine Nase. Es ist vielmehr ein Riechorgan besonderer Güte, was ich bereits im zarten Alter von drei Jahren erstmals unter Beweis stellte, als ich im Delfshavener Hinterhofgarten meiner abgetakelten Tante Anni van Dale Tulpenzwiebeln in zwei Meter Tiefe ausfindig machen konnte. Gibts nicht? Nachzulesen im Schiedamer Dachblatt von 1955. Aber das sollte nur der Anfang sein.
Erst meinem Großvater, einem alten Haudegen und Seefahrer, zudem der größte Hurensohn südlich von Rotterdam, habe ich es zu verdanken, daß sich meine Nase zu einem Riechinstrument der besonderen Art entwickelte. „Mijn Jongen“ hat er immer gesagt, „uw neus zal uw leven op tijd redden“; „Mein Junge, deine Nase wird Dir eines Tages das Leben retten.“ Und wie er damit recht hatte, der alte Fliegenfänger. Völlig klar! Also: Mit 12 Jahren, am 11. November 1963 packte er mich einfach am Kragen, schmiss mich auf einen alten, im Waalhaven Noord liegenden, Fracht aufnehmenden portugiesischen Drei-Master, leerte mit dem portugiesischen, zungenlosen Schiffskoch Robeiro Louis Montagui Estaqqueiro eine Kiste kubanischem Rum und flößte ihm ein, „este menino conservar sua vida a tempo“ was soviel heisst wie „deze jongen zal uw leven op tijd redden“. Mit anderen Worten: „Der Junge, wird Dir eines Tages noch das Leben retten.“ Ich weiß nicht warum, aber Robeiro Louis Montagui Estaqqueiro war überzeugt und Ronni Droplet wurde mit sofortiger Wirkung und einem Glas Rum zum Backschafter befördert. Völlig klar. Also: Kaum an Bord, rechts von Kap Horn, zwischen den Falkland Islands und dem Festland, kam unser Segler in den schwersten Sturm seit 1895. Verdammt, war das ein auf und ab, ein hin und her, ein hoch und runter, von einer Seite auf die Andere. Was dann passiert ist? Nicht viel. Nur wurde unserem zungenlosen Schiffskoch Robeiro Louis Montagui Estaqqueiro von einem umherfliegenden Mehlsack die Nase zertrümmert. Eigentlich nicht schlimm. Dumm nur für einen Schiffskoch. Habe ich schon gesagt, daß Robeiro Louis Montagui Estaqqueiro zungenlos war? Schmecken? War nicht mehr. Riechen? Ging noch. Aber am 12. Januar 1963 war auch damit endgültig Schluß. Ein willenloses Schiff, ein höllischer Sturm, ein umherfliegender Mehlsack. Verdammt, so einfach ist das manchmal. Dieser 12. Januar 1963 hat mein Leben verändert. Völlig klar. Also: ein zungenloser Koch kann nichts schmecken. Stimmt. Muß er ja auch nicht, wenn er jemanden hat, der für ihn das macht. Und genau dafür war ich an Bord. Ich, Dauerbackschafter Ronni Droplet, 12 Jahre alt, Jungfrau, den Hintern zugenäht. Verdammt, was mußte ich für einen Höllenfraß abschmecken, runterwürgen und bloß nicht die Augen verdrehen. Vor dem 12. Januar 1963 hat Ronni Droplet nur Potacken gedreht, Eimer ausgeleert, Tische auf- und abgedeckt, die Back aufgeklart, seinen Mageninhalt in den Wind gekotzt, ins Meer gespült, an der Takelage aufgehängt. Aber an diesem 12. Januar 1963 wollte der liebe Gott – und ich sage Euch, es gibt ihn – daß Ronni Droplet Schiffskoch werden sollte. Der 12. Januar 1963, in der Meerenge zwischen den Falklands und der Südspitze Chiles war MEIN erster Tag als Koch.
Kochen, schmecken, riechen. Das sind die Zutaten, die mir das Leben gerettet haben. Gut, das Leben von Robeiro Louis Montagui Estaqqueiro habe ich nicht gerettet. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Vervloekt, wie lange ist das her?

2 Reaktionen zu “Ronni Droplet: Kochen, schmecken, riechen (1)”

  1. Suppenhuhn

    Hey Ronni! Wann schiesst du die erste Seemannsgarn-Smutje-Story ab?
    Wie oft hast Du ins Essen gebrochen? Und: haben es die Seemänner anschließend überhaupt geschmecktgemerkt?
    Freu mich drauf!

    Bloggward

    PS: Wann feiert Holland den ersten WM-Titel? Wenn die Playstation aus ist……

  2. Seebaer

    Völlig klar. Also: Titel, Urkunden, Orden. Nur dann ist man wer – oder wie? Das ist wieder mal typisch deutsch.
    Mijn Jongen: Wer den weltbesten Fußball spielt braucht keine WM-Titel. Oder anders gesagt: Wer einen WM-Titel hat muß noch lange nicht den weltbesten Fußball speelen. Oder haben die Tifosi etwa den WM-Titel verdient? Realy niet!
    Darauf muß ich mir einen Hollandse Genever gönnen. Cheers.

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